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Die (berechtigte) Angst vor der Inflation

Dies ist ein Artikel von FinanzNews zum Thema Inflation in Deutschland, den damit verbundenen Ängsten, als auch realen Gefahren, die auf uns warten. Wir werden uns zunächst einmal ansehen, was die Grundidee von Inflation ist und warum es eigentlich gar nicht so schlecht ist. Und dann sehen wir uns die möglichen, katastrophalen Folgen an, auf die wir uns im Moment leider zu bewegen. 

Obwohl Inflation ein normaler Prozess ist, weckt dieses Wort in der Bevölkerung gewisse Ängste. Unbewusst werden damit meist  Berge an Geld assoziiert, die in Schubkarren herumgefahren werden und die man noch von schwarz-weiß Bildern kennt. Ein gewisses Maß an Inflation  ist für die Wirtschaft sogar notwendig, daher ist es wichtig zu verstehen warum Inflation von den Zentralbanken sogar  gewollt wird. In anderen Fällen ist es jedoch sehr schlecht, was wir uns gleich ansehen werden.

Was genau bedeutet Inflation?

Anfang des Jahres haben Mehrwertsteuersenkungen zusammen mit anderen Faktoren die Inflation in Deutschland ansteigen lassen und somit auch eine Urangst der Deutschen zurückgebracht, die Angst vor einer Geldentwertung. Doch was genau ist Inflation und woran macht man diese fest? 

Inflation ist, wenn steigende Preise Geld entwerten. Das merkt man daran, wie viel 1 Euro, in Waren gemessen, tatsächlich wert ist. Hier kommt der bekannte Warenkorb ins Spiel. Es ist in Wirklichkeit natürlich nur ein statistischer digitaler Warenkorb. In einen “echten” Einkaufswagen passen eben keine Flugreisen, Autos oder Netflix-Abos, die teilweise eben auch in diesem fiktiven Warenkorb enthalten sind. 

Statistiken repräsentieren nicht alle Menschen und Inflation trifft jeden auf unterschiedliche Weise. Was wir im Alltag einkaufen unterscheidet sich, und so unterschiedlich ist dann auch der Preisanstieg. Die Menschen achten unterschiedlich auf Preise. Innerhalb der EU wird die sogenannte Verbraucherinflation vor Ort gemessen. Das sind vor allem Kosten für Zahnarzt, Heizung, Restaurants, Tabakwaren oder Wein. Selbst wenn entscheidende Faktoren dabei zu kurz kommen, so liegt die wahrgenommene Inflation bereits einiges über den eigentlichen, offiziellen Statistiken, nämlich nur fünf bis sechs Prozentpunkte darüber. 

Die Höhe der Inflation hat viel mit Gewohnheiten zu tun und ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Seit 60 Jahren liegt der jährliche Mittelwert für Deutschland bei rund 2%, in der Türkei bei 16% und in Südafrika bei rund 6%. Das bedeutet, dass die Einwohner dieser Länder eine Rate von zum Beispiel 5% ganz unterschiedlich empfinden würden.

Das Alter spielt hierbei auch eine große Rolle.  Vorhergehende Generationen, die mit hoher Inflation aufgewachsen sind, beurteilen die heutige Inflation  anders. 

Das Damoklesschwert der Hyperinflation.

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern ging es den Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg ziemlich gut, obwohl Deutschland seit der Finanzkrise nicht mehr zu den Ländern mit der niedrigsten Inflationsrate gehört. 

In der Vergangenheit wurde die Deflation zu einem Problem. Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Während bei einer Inflation das Geld entwertet wird, wird es bei einer Deflation mehr wert. Es ist wichtig, Preise erhöhen zu können, denn dies ist eine ökonomische Triebfeder. Wenn Produzenten die Preise nicht mehr erhöhen können, fangen die Verbraucher an zu sparen. Wenn gespart wird, wird weniger ausgegeben und wenn weniger ausgegeben wird bedeutet es, dass weniger gekauft wird. Das wiederum führt zu fallenden Nachfragen,  was zu Stellenabbau und niedrigeren Löhnen führt. Niedrigere Löhne senken die Ausgaben, was zu einer Abwärtsspirale führt. 

Deflation wird normalerweise mit einer schwachen Wirtschaft in Verbindung gesetzt, was man über fast 30 Jahre lang in Japan beobachten konnte. So gesehen bedeutet ein gewisses Maß an Inflation Stabilität. Ihre niedrigen Inflationsraten haben die Deutschen der Erfahrung mit der Hyperinflation  in der Weimar Republik 1923 zu verdanken. In der Spitze dieser Hyperinflation  war die Geldentwertung 50 %. Pro Monat, nicht Jahr. Das Ausmaß einer Hyperinflation kann man sich heute schwer vorstellen. 

Auf dem Höhepunkt 1923 hätte man hierzulande für einen Kauf, den man am Anfang eines Monats mit einem Geldschein bezahlen konnte, am Ende des Monats ein Bündel von der Dicke einer Keksdose gebracht. Bei der ungarischen Rekord-Hyperinflation von 1946 hätte das Bündel bis auf den Mond gereicht.Zu dieser Zeit wurden die Waren für Preise dreimal pro Tag angepasst. Es macht also einen Unterschied, ob Sie ihr Brot in der Früh, zu Mittag, oder Nachmittag kaufen.

Hyperinflationen kommen relativ selten vor.  In den letzten 100 Jahren knapp  50 Mal. Das Interessante an einer Hyperinflation ist jedoch, dass vor einer Inflation immer eine Deflation kommt. Das ist ein Paradox, auf welches man achten muss. Bevor die Preise in den Keller fallen, steigen Sie zuerst an. Dies hat mit der Produktion der Güter und einer Verschiebung des Kaufverhaltens zu tun.  Auch geschieht eine Hyperinflation nicht über Nacht, sondern steigt stetig, jedoch exponentiell. Danach kommt nur noch der komplette Zusammenbruch der Währung. Das Güterangebot leidet während einer Hyperinflation extrem, Ungarn etwa hatte dadurch 1945  die Hälfte seiner Produktionskapazität  verloren.

Ein weiterer Effekt von Hyperinflation ist, dass es das gesamte Geldvermögen auffrisst. Wenn wir beispielsweise einen Prozent Inflation hätten, wird Ihr Geld auf dem Konto in 70 Jahren die Hälfte wert sein. Mit jedem zusätzlichen Prozent geschieht dies schneller. Ist die Inflation bei 7 %, ist Ihr Geld bereits in zehn Jahren um die Hälfte wert.

Trotz Geldflut keine Inflation, wie geht das? 

Wie sieht die aktuelle Situation mit der Inflation in Deutschland aus? Das Eine sind die offiziellen Zahlen, das Andere die inoffiziellen und das Dritte ist, wenn man eins und eins zusammenzählt. 

Während Deutschland im Dezember 2020  noch eine negative Inflation von 0,3% hatte, war dies im ersten Quartal 2021 bereits 1,7%. Selbst offizielle Stellen rechnen mit einer weiteren Erhöhung der Inflation, beschwichtigen jedoch alle und sagen, dass dies alles noch im Rahmen des Vertretbaren sei.

 Auf der anderen Seite gibt es die sogenannte “gefühlte Inflation”.  Das Problem mit Gefühlen ist, dass sie jeder anders empfindet, und so ist es auch mit dieser Inflation. Die gefühlte Inflation trifft die persönlichen Bedürfnisse viel besser, da sie sich an den eigenen Bedürfnissen orientiert. Das Stück Brot kommt einem weit teurer vor, als noch vor ein paar Jahren. Ebenso andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Vergleicht man die gefühlte Inflation mit der tatsächlichen Inflation, wird man schnell erkennen, dass die gefühlte sich eher im Bereich 8 bis 15% bewegt.

Und dann gibt es noch einen Teil, den wir bisher noch nicht behandelt haben, und der auch Wirtschaftsökonomen nicht ganz klar ist. Inflation entsteht, indem die Notenbank zusätzliches Geld in den Geldkreislauf pumpt. je mehr Geld in den Geldkreislauf gepumpt wird, desto höher die Inflation. Je weniger, desto geringer die Inflation. Dies war ca. die letzten 70 Jahre so.  Aber  das letzte Jahr ist etwas Interessantes passiert.  Obwohl die EZB massiv Geld in die Geldmärkte gepumpt hat, ist es zu keinem Anstieg der Inflation gekommen. Mit “massivem Geld” meinen wir 15% der gesamten bestehenden Geldmenge. Die EZB hat im letzten Jahr durch verschiedene Notmaßnahmen, bedingt durch die Corona Krise, Hilfsgelder in bisher unbekanntem Ausmaß gedruckt. In Wirklichkeit nicht einmal gedruckt, sondern in digitaler Form zur Verfügung gestellt. 

Nach gängiger Rechnung müsste es so sein, dass 15% mehr Geld im Geldkreislauf das bestehende Geld um 15% entwertet. Es sollte also eine 15 prozentige Inflation sein, und nicht 1,7%. Warum das so ist? Es gibt verschiedene Erklärungen. Die Gängigste ist, dass Banken das Geld zurückhalten und dafür sorgen, dass es nicht in den Geldkreislauf zurückkommt. Fakt jedoch bleibt, dass 15% mehr Geld da ist, als die entsprechende Arbeitsleistung. Daher ist die entsprechende Arbeitsleistung um 15% entwertet, ob es sich in der Inflation zeigt oder nicht .

Der digitale Euro als Retter in der Not!

Es gibt noch einen großen Punkt, der uns zu bedenken geben muss: der digitale Euro. Die EZB versucht seit den letzten Monaten verstärkt, auf den kommenden digitalen Euro einzutrommeln. Die Medien haben bereits begonnen, die Vorteile einer digitalen Währung hervorzuheben und die Gefahren, die mit bösem Bargeld zusammenhängen, wie tödliche Viren, die an ihm kleben oder Sprengstoff und Waffen, die von bösen Terroristen verwendet werden, um unschuldige Kinder mit dem bösen Bargeld zu ermorden.

Auch die Wirtschaft hat begonnen, das digitale Geld immer mehr und mehr zu forcieren, Ebenso wie die Regierung. Deutschland ist noch eines der wenigen Ländern, in denen beispielsweise Waren mit unbegrenzter Menge an Bargeld gekauft werden können. In praktisch allen Ländern Europas gibt es eine Bargeldobergrenze, die auch in Deutschland bald kommen wird. Was hat das Ganze nun mit der Inflation zu tun? Solange es Bargeld gibt, kann man dieses transportieren, in Sachwerte umwandeln oder außer Landes schaffen.  Und das Ganze recht schwer  kontrollierbar. Der Staat sieht es zwar, kann aber nichts dagegen machen.

Bei einem digitalen Euro sehe die Sache ganz anders aus. Man hat in der Zypern-Krise gesehen, dass es sehr leicht möglich ist, die tägliche Bargeldmenge eines Bankomaten zu beschränken. Wenn Privatpersonen beginnen, Bargeld in großen Mengen von ihren Bankkonten abzuheben, werden die Banken sehr bald Probleme mit dem Nachschub an Geld bekommen. Wenn Banken kein Geld mehr liefern können, ist das ein ganz, ganz schlechtes Zeichen. Es könnte zu einer echten Panik kommen .

Mit einer digitalen Währung gibt es dieses Problem nicht. Wenn die Regierung entscheidet, dass täglich nicht mehr als 50 oder 100 Euro ausgegeben werden dürfen… Dann ist es ebenso. Sie können dann nicht mehr als 100 € ausgeben. Damit wird jede Inflation bzw Hyperinflation im Keim erstickt. Dies ist die einzige Art der EZB, den Euro vor einer Hyperinflation zu retten, ohne eine schwere Wirtschaftskrise  oder den Zusammenbruch des Bankensystems zu riskieren.

Die einzige Frage ist, ob der Inflationsanstieg der letzten Monate das erste Anzeichen einer galoppierenden Hyperinflation ist und ob es die EZB rechtzeitig schaffen wird, den digitalen Euro vor den Dammbruch  einzuführen, der uns durch die aktuelle Situation bevorsteht.

Keine Inflation dank Corona Krise?

Die Wahrheit ist, dass es unter regulären Umständen bereits zu einer starken Inflation hätte kommen müssen. Die Staaten, als auch die EZB, schaffen es noch, durch verschiedene Maßnahmen die Inflation im Griff zu halten.  Dazu zählen wir auch verschiedene Tricks, mit denen EU-Vereinbarungen, die vor Jahren getroffen wurden, um genau diese Situation zu verhindern, umgangen wurden. Deutschland ist jetzt, durch die  gerade herausgegeben Corona Bonds, beispielsweise indirekt Teil einer Schuldenunion.  Frau Merkel hat jedoch praktisch geschworen, dass es nie zu einer Schuldenunion kommen wird. Jetzt sind wir aber mitten drinnen und so bürgt Deutschland auch für die Schulden von Italien, Spanien, Frankreich und den ganzen restlichen Ländern.

Wie es ausgehen wird? Wir wissen es nicht, denn es ist ein Wettrennen zwischen dem digitalen Euro und  der Explosion der Hyperinflations-Blase.

Was jedoch sicher ist, ist dass wir es in den nächsten Jahren herausfinden werden. 

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