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Markus Krall: Wir stehen vor dem Abgrund …Teil 2

Willkommen bei unserem zweiten Teil aus unserer Reihe, Markus Krall: Wir stehen vor dem Abgrund …

Das Untergangsszenario des Euro.

Dr. Markus Krall berichtet von zwei Hypothesen, weshalb der Euro dem Untergang geweiht wäre. Das Deflations- und das Inflationsszenario. Im Deflationsszenario kommt es zum Kollaps der Banken, die Geldmenge schrumpft und die Banken werden nicht gerettet. Woraufhin der Euro unter einer Depression zusammenbricht. 

Im Inflationsszenario werden die Banken zwar gerettet, aber es kommt danach zu einer starken Inflation, also genau das Gegenteil des Deflationsszenarios. 

In der Zwischenzeit balancieren wir auf einer Rasierklinge zwischen diesen beiden nicht miteinander zu vereinbarenden Aggregatzuständen hin und her.

Auf die Frage hin, was denn die wahrscheinlichere Variante sei, antwortet Herr Polleit dass man hier in Wahrscheinlichkeiten denken müsse, denn für beide Szenarien gibt es gute Gründe. Als Anleger sollte man immer vor Augen haben, dass es sich hierbei um zwei sehr zentrale und wahrscheinliche Szenarien handelt, wenn man das Verhalten der Politik und die aktuellen Bedingungen bedenkt. 

Er selbst habe den Eindruck, dass man Geldmengenausweitung um jeden Preis verhindern will, um so Zahlungsausfälle von Banken und großen Staaten einzudämmen.

Aus der Geschichte weiß man, dass die Politik der Inflation häufig von Regierenden wie auch von Regierten, als die Politik des vergleichsweise kleineren Übels angesehen wurde. Wenn man heute die Menschen fragen würde, ob wir eine Bank pleitegehen lassen, sollen mit entsprechenden Folgen oder es lieber noch einmal auf eine andere Art und Weise versuchen wollen, indem wir die Zinsen noch weiter absenken und noch mehr Geld drucken, dann werden die Bürger sich wahrscheinlich mehrheitlich für Letzteres entscheiden. Daher befürchtet Herr Polleit, dass die künftige Entwicklung zu einer mehrheitsfähige Inflationspolitik tendiert.

Für Herrn Krall ist klar, dass diese Entscheidung nur aus einem einzigen Grund mehrheitsfähig ist. Eine Minderheit der Bürger sind Leistungsträger, von deren Steuern das System lebt. Die Mehrheit der Bürger hingegen sind Sparer. 

Allerdings ist er auch der Meinung, dass die meisten Menschen nicht wissen, welche Auswirkungen diese Politik auf Ihre Rente und Betriebsrenten haben wird. Das liegt daran, dass die meisten nicht einschätzen können, was Inflation konkret bedeutet. Die meisten Menschen denken, na ja, dann haben wir halt mal 2, 3, 4, 5 Prozent Entwertung für ein paar Jahre und dann wird sich alles wieder normalisieren. Doch den Leuten ist nicht klar, dass die Inflation ein Tier ist, welches sich selbst ernährt und auch exponentiell verläuft.

Inflation, eminent und doch unterschätzt!

Diesen Vergleich findet Herr Poillet sehr interessant und erinnert sich an ein Gespräch, welches er vor einigen Jahren mit Herrn Professor Otmar Issing führte, in dem es auch um Inflation ging. Herr Professor Issing sagte damals Zitat:” Wissen Sie, Herr Poilett, die jungen Menschen wissen gar nicht, was Inflation ist, das haben die gar nicht erlebt.”

Die Folgen einer Inflation, was Inflation wirklich bedeutet, welche Nöte dabei entstehen, ist den meisten gar nicht klar. Es ist ja nicht nur so, dass man sich weniger für sein Geld kaufen kann, sondern es geht dabei auch um Verschiebungen der Einkommens und Vermögensverhältnisse. Diejenigen, die besonders gewieft sind, werden danach Inflationsgewinner sein, große Autos fahren, die werden ganze Häuserblocks aufkaufen.

Diejenigen hingegen, die Ihrem Tagewerk Nachgehen und sich nicht den ganzen Tag darauf konzentrieren können, wie sie Ihr Vermögen anlegen sollen, die werden das Nachsehen haben. Inflation ist etwas ganz Furchtbares und wird tatsächlich unterschätzt.

In Anlehnung an eine Geschichte aus dem Berlin der 1920er-Jahre berichtet Markus Krall, dass man damals mit drei oder vier Goldmünzen ein großes Haus oder gar einen ganzen Häuserblock erwerben konnte. Heute kaum vorstellbar, aber ein Paradebeispiel für die völlige Entgleisung von Wertverhältnissen. Auch er ist der Meinung, dass die meisten Menschen sich nicht darüber im Klaren sind, wie sehr eine Inflation den Mittelstand zerrütten, ja sogar auflösen kann.

Dem fügt Herr Polleit hinzu, dass die häufigste vernachlässigte Form der Inflation die Tatsache ist, dass Sie den Unternehmen massiv erschwert, eine richtige Wirtschaftsrechnung zu betreiben. Die Folge sind Fehlkalkulationen und die Abnahme der gesamten Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft, was zu extrem hoher Arbeitslosigkeit führt.

Er kritisiert dabei die Wirtschaftsökonomen, welche diese Politik empfehlen oder als alternativlos darstellen, denn dies führt zu einer eklatanten Unterschätzung der Kosteninflation. 

Kineastische Ökonomen, wie die Fähnchen im Wind.

Herrn Krall ist das natürlich auch aufgefallen, ebenso wie die Fußnoten mancher kenianischen Ökonomen, die im allerletzten Absatz noch schnell auf gewisse Inflationsgefahren hinweisen, gerade als wollten sie sich absichern, nach der Devise, wenn es knallt, habe ich es auch befürchtet. Also eine klassische, Cover-Myself Attitüde, die sich im Moment zunehmend ausbreitet und ein klares Warnsignal ist.

Im Amerika der Trumpadministration sind diese Hauptstromökonomen verschwunden, weil deren Arbeit nicht mehr nachgefragt wurde. Aber viele von denen sind jetzt wieder aufgetaucht und auf einmal warnen sie vor der Inflationspolitik, die sie früher propagierten. Hinzu kommt, dass in Amerika eine noch höhere Geldmengenausweitung erfolgte, die Geldmenge M2 wächst um knapp 30 %.

Der Vorteil der Amerikaner, so Herr Krall, ist, dass sie noch über sehr viel Seigniorage Kapital verfügen, weil sie die Leitwährungsfunktion haben und nur allzu gerne die Folgen ihrer falschen Politik auf Dritte abwälzen. Frei nach dem Motto: “It’s our currency, but it’s your problem.” Das ist im Prinzip bis heute so geblieben, wobei die Europäer dem in nichts nachstehen.

Herrn Polleit ist es sehr wichtig, dass die Menschen eines verstehen. Inflation wird ja heute als Preissteigerung deklariert, und deshalb sagen ja auch so viele “ja, wo ist sie denn die Inflation?”. 

Man guckt auf eine Preissteigerung von 2 bis 3 % bei den Konsumgütern, was ja auch schon hoch ist, aber meint, das sei ja noch keine große Inflation. Aber Inflation bedeutet eben ein Ansteigen der Preise auf breiter Front und das schließt auch Aktienpreise sowie Preise für Anleihen mit ein. Das alles muss man mit in Betracht ziehen.

Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass wir bereits mitten in einer Inflationsphase sind und wenn sich das alles exponentiell fortsetzt, dann wird es schlimmer, dramatischer und dann werden die Menschen in ihrem täglichen Leben merken, dass der Kaffee, das Obst, die Milch große Preissteigerungen aufweisen werden.

Gold, die rettende Insel!?

Herr Krall und Herr Polleit, haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, sich vor Inflation zu schützen, indem man sein Vermögen in Immobilien und in Edelmetallen anlegen soll. Nun zeigt sich der Goldpreis trotz der drohenden, bevorstehenden Inflation relativ stabil und die Menschen fragen sich warum? Weshalb zieht der Goldpreis nicht richtig an, wenn doch eine Inflation angeblich unmittelbar bevorsteht? 

Ja, der Anleger hätte einen deutlichen Anstieg des Goldpreises gerade jetzt erwartet, aber das sei eine Sichtweise, die Herr Polleit unbedingt entmutigen möchte. Er versucht immer, die lange Frist zu betonen, denn wenn man das tut, kann man sehr schön sehen, dass der Anstieg des Goldpreises in den letzten zwei Dekaden um ungefähr 10 % pro Jahr kontinuierlich ansteigt. Gold hatte in den letzten 20 Jahren immer eine Wertsteigerung im Vergleich zu beispielsweise Spareinlagen oder Lebensversicherungen. Und wenn auch nur annähernd eine Befürchtung eintritt, dann wird diese Erfahrung der letzten zwei Dekaden sich in die Zukunft fortsetzen und vermutlich noch höhere Preissteigerungen beim Gold und auch beim Silber hervorbringen.

Seit August 2020, als der Goldpreis im Jahr 2000, 47 Dollar pro Feinunze betragen hat, begannen die Zinsen in Amerika zu steigen. Das führte natürlich dazu, dass Investoren dachten, die Goldhaltung wird teurer, denn wer Gold hält, der bekommt ja keine Zinsen, und dann setzen Umschichtungen ein. Was man in den letzten 20 Jahren immer wieder beobachten konnte, ist, dass auf kurze Sicht der Zins einen Einfluss auf die Goldnachfrage und damit auf den Goldpreis hat. Er hat jedoch nichts damit zu tun, dass der Aufwärtstrend, der ja im Grunde seit Anfang des 21 Jahrhunderts zu beobachten ist, in irgendeiner Weise gebrochen wäre. Fazit: Anleger, die sich langfristig orientieren, also die nicht täglich im Goldmarkt Handel betreiben, finden durchaus attraktive Preise vor.

Was Silber angeht, so ist die Konstellation, die wir derzeit vorfinden, sogar noch attraktiver in Bezug auf das künftige Kurspotenzial der Silberpreise. Wir kommen jetzt in eine Phase, in der sich Dinge tendenziell dramatisieren, was immer eine monetäre Nachfrage nach Silber steigert. 2008/2009 war dies nicht der Fall, da wurde der Silberpreis insbesondere durch industrielle Nachfrage getrieben, aber diese Nachfrage baut sich im Moment wieder auf, wenn der Goldpreis steigt. Dann hat der Silberpreis in der Regel gute Chancen, ebenfalls zu steigen, und genau das passiert im Moment beim Silber überproportional.

Dem stimmt Herr Krall vollends zu, insbesondere mit Blick auf den erst kürzlich stattgefundenen “Silver Squeeze”, denn da merkte man, dass in diesem Markt Kräfte in Bewegung geraten sind, die die Nachfrage auf Silber wahrscheinlich auf Dauer hochhalten werden.